Szenario?
Die Bilder, die wir uns von der Zukunft machen, prägen unser Handeln. Es gibt verschiedene Wege Szenarien zu entwickeln. Hier geht es um Szenarien, die eine – in Euren Augen – wünschenswerte Zukunft entwerfen. Es geht also nicht darum zu versuchen, die Zukunft vorauszusagen, sondern darum mögliche Zukünfte zu entwerfen, an denen wir unser Handeln und die Politik in der Gegenwart messen können. Solche Szenarien spiegeln natürlich immer die Werte und die Wünsche von denen wider, die sie entwickelt haben. Es geht nicht um Richtig oder Falsch, sondern um die Frage, in welcher Zukunft Ihr gerne leben möchtet.
1. Ein Szenario sollte plausibel sein – d.h. dass man sich vorstellen kann, dass die darin beschriebene Entwicklung wirklich möglich ist. Ansonsten wäre es ja nur ein „netter Film“. Es sollte aber immer auch mutig und herausfordernd sein – denn es geht ja um Veränderungen – und andere neugierig machen, sich darauf einzulassen.
2. Beschreibt in Eurem Szenario kurz eine Situation, die deutlich macht, was sich im Jahr 2020 im Vergleich zur heutigen Ausgangssituation verändert hat. Diese Geschichte sollte eine der vier diesjährigen Zukunftsfragen aufgreifen.
3. Und beschreibt auch, was die maßgeblichen ‚Hebel‘ bzw. Einflussfaktoren waren, die zu dieser Veränderung beigetragen haben. Wer hat mit welchen Handlungen dazu beigetragen, dass es in die angestrebte Richtung gegangen ist? (Und welche Hindernisse mussten dabei überwunden werden?)
4. Denkt Euch auch einen treffenden Titel für Euer Szenario aus (bitte nicht „CHANCE EUROPA 2020“).
Ein fiktives Beispiel zur Zukunftsfrage „Beteiligung“:
„Frischer Wind für die politischen Parteien“
Das Szenario: Im Jahr 2020 suchen die politischen Parteien den engen Kontakt zu den Menschen. Es gibt viele Veranstaltungen, Listenings und Zukunftssalons, in denen man zusammen kommt und politische Entscheidungen intensiv diskutiert – bevor sie getroffen werden. Auch in den Schulen, bei Musikkonzerten, im Theater, bei Filmfestivals und anderen Kulturveranstaltungen – die Begegnung von Jugend und Politik gehört zum Alltag. Parteien sind für junge Menschen nicht mehr ‚die Dinosaurier‘, ihre Mitgliederzahlen steigen wieder – insb. auch wegen dem Eintritt vieler jüngerer Neumitglieder. Ein reger Austausch hilft dabei, sich in wichtigen Fragen eine Meinung zu bilden und Entscheidungen mitzugestalten.
Die ‚Hebel‘ der Entwicklung: Die immer weiter sinkende Wahlbeteiligung nagt an der Akzeptanz und Berechtigung unseres Modells der repräsentativen Demokratie, in der Vertreter von Parteien immer wieder für mehrere Jahre in die Regierungsverantwortung gewählt werden. So hatten bei der letzten Bundestagswahl nur 70 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, bei der letzen EP-Wahl waren es lediglich 43 Prozent! Wenn die Gruppe der NichtwählerInnen die größte ‚Fraktion‘ stellt, muss man sich schon etwas einfallen lassen. Im Laufe der Jahre kommt es zu mehreren grundlegenden Veränderungen. Unter anderem wird das gesetzliche Wahlalter in der EU und den meisten Mitgliedstaaten auf 16 Jahre herabgesetzt und ein Familienwahlrecht eingeführt. Die bedeutendste Neuerung aber ist, dass – ursprünglich angestoßen durch eine Europäische Bürgerinitiative – seit 2019 die Sitze im Europäischen Parlament nur noch entsprechend der tatsächlichen Wahlbeteiligung besetzt werden. Sind nur 60 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen, werden auch nur 60 Prozent, also 450 der 751 Sitze des Europäischen Parlaments besetzt. In den meisten Mitgliedstaaten wurden ähnliche Regelungen eingeführt. Das neue System hat dazu beigetragen, dass die Parteien sich seitdem sehr darum bemühen, dass die Wahlbeteiligung hoch ist und gut informierte Menschen ihnen ihr Vertrauen schenken.
Ob das eine gute Idee wäre? Ob das überhaupt möglich ist? Ob einen das interessiert und ob es eine tolle Veränderung zur heutigen Ausgangslage bedeuten könnte? Da kann man ganz unterschiedlicher Auffassung sein und sicher könnte man die Geschichte auch viel schöner und spannender erzählen. Ein Szenario ist die Freiheit (und die Macht?), selbst eine Bewertung vorzunehmen – worauf es für die Zukunft ankommt und welche Geschichte man darüber erzählen möchte.
Wir sind sehr gespannt auf Eure Geschichten!