Szenario?

Die Bilder, die wir uns von der Zukunft machen, prägen unser Handeln. Es gibt verschiedene Wege Szenarien zu entwickeln. Hier geht es um Szenarien, die eine – in Euren Augen – wünschenswerte Zukunft entwerfen.

Es geht also nicht darum zu versuchen, die Zukunft vorauszusagen, sondern darum mögliche Zukünfte zu entwerfen, an denen wir unser Handeln und die Politik in der Gegenwart messen können. Solche Szenarien spiegeln natürlich immer die Werte und die Wünsche von denen wider, die sie entwickelt haben. Es geht nicht um Richtig oder Falsch, sondern um die Frage, in welcher Zukunft Ihr gerne leben möchtet.

Ein Szenario sollte plausibel sein – d.h. dass man sich vorstellen kann, dass die darin beschriebene Entwicklung wirklich möglich ist. Ansonsten wäre es ja nur ein „netter Film“. Es sollte aber immer auch mutig und herausfordernd sein – denn es geht ja um Veränderungen – und andere neugierig machen, sich darauf einzulassen.

1. Beschreibt in Eurem Szenario kurz eine das Ziel, was sich bis zum Jahr 2020 im Vergleich zur heutigen Ausgangssituation verändert haben soll. Eurer Vorschlag sollte sich einer der diesjährigen Zukunftsfragen zuordnen lassen. Denkt Euch auch einen treffenden Titel für Euer Szenario aus (bitte nicht „CHANCE EUROPA 2020“).

2. Und beschreibt auch, was die maßgeblichen ‚Hebel‘ bzw. Maßnahmen sein werden, die Eurer Meinung nach für diese Veränderung notwendig sind.

3.Erich Kästner hat mal gesagt “Es gibt nichts Gutes – es sei den man tut es”. Wer trägt für euer Szenario Verantwortung, wer ist für die Umsetzung Eurer Maßnahme federführend zuständig? Ist es z.B. eine Aufgabe für die Europäische Union? Geht es um ein Gesetz, das der Deutsche Bundestag beschließen soll? Oder einen Beschluss in Eurem Stadtrat. Oder geht es um etwas, dass Ihr mit Euren Nachbarn selber in die Hand nehmen könnt?

Ein fiktives Beispiel zum Thema “MITENTSCHEIDEN”:

Das Szenario: „Frischer Wind für die politischen Parteien“ – Im Jahr 2020 suchen die politischen Parteien den engen Kontakt zu den Menschen. Es gibt viele Veranstaltungen, Listenings und Zukunftssalons, in denen man zusammen kommt und politische Entscheidungen intensiv diskutiert – bevor sie getroffen werden. Auch in den Schulen, bei Musikkonzerten, im Theater, bei Filmfestivals und anderen Kulturveranstaltungen – die Begegnung von Jugend und Politik gehört zum Alltag. Parteien sind für junge Menschen nicht mehr ‚die Dinosaurier‘, ihre Mitgliederzahlen steigen wieder – insb. auch wegen dem Eintritt vieler jüngerer Neumitglieder. Ein reger Austausch hilft dabei, sich in wichtigen Fragen eine Meinung zu bilden und Entscheidungen mitzugestalten.

Die ‚Hebel‘ der Entwicklung: Die immer weiter sinkende Wahlbeteiligung nagt an der Akzeptanz und Berechtigung unseres Modells der repräsentativen Demokratie, in der Vertreter von Parteien immer wieder für mehrere Jahre in die Regierungsverantwortung gewählt werden. So hatten bei der letzten Bundestagswahl nur 70 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, bei der letzten EP-Wahl waren es lediglich 43 Prozent! Wenn die Gruppe der NichtwählerInnen die größte ‚Fraktion‘ stellt, muss man sich schon etwas einfallen lassen. Im Laufe der Jahre kommt es zu mehreren grundlegenden Veränderungen. Unter anderem wird das gesetzliche Wahlalter in der EU und den meisten Mitgliedstaaten auf 16 Jahre herabgesetzt und ein Familienwahlrecht eingeführt. Die bedeutendste Neuerung aber ist, dass – ursprünglich angestoßen durch eine Europäische Bürgerinitiative (die zwar aus formalen Gründen von der EU-Kommission nicht angenommen wurde, aber letztendlich doch den entscheidenden Anstoß gab) – seit 2019 die Sitze im Europäischen Parlament nur noch entsprechend der tatsächlichen Wahlbeteiligung besetzt werden. Sind nur 60 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen, werden auch nur 60 Prozent, also 450  der 751 Sitze des Europäischen Parlaments besetzt. In den meisten Mitgliedstaaten wurden ähnliche Regelungen eingeführt. Das neue System hat dazu beigetragen, dass die Parteien sich seitdem sehr darum bemühen, dass die Wahlbeteiligung hoch ist und gut informierte Menschen ihnen ihr Vertrauen schenken.

Verantwortung: Zunächst braucht es Menschen, die sich für eine Veränderung einsetzen. Die EU-Mitgliedstaaten sollten dann auf EU-Ebene eine politische Einigung über das neue Verfahren für die künftige Zusammensetzung des Europäischen Parlaments treffen und sie dann in ihren jeweiligen mitgliedstaatenlichen Vorschriften umsetzen. Auch für die Wahlen auf nationalstaatlicher und regionaler Ebene.

 

Ob das eine gute Idee wäre? Ob das überhaupt möglich ist? Ob einen das interessiert und ob es eine tolle Veränderung zur heutigen Ausgangslage bedeuten könnte? Da kann man ganz unterschiedlicher Auffassung sein und sicher könnte man die Geschichte auch viel schöner und spannender erzählen. Ein Szenario ist die Freiheit (und die Macht), selbst eine Bewertung vorzunehmen – worauf es für die Zukunft ankommt und welche Geschichte man darüber erzählen möchte.

Wir sind sehr gespannt auf Eure Ideen und Zukunftsentwürfe!