Umwelt
Was sollten die Europäische Union und die Regierungen der EU-Mitgliedstaaten tun, um unsere Welt nachhaltiger zu machen?
Ausgangslage
Wir leben über unsere Verhältnisse und borgen von der Zukunft, um die Ansprüche der Gegenwart zu bedienen. Würde die gesamte Menschheit den heutigen Lebensstil der Europäer pflegen, bräuchten wir dafür mehr als einen Planeten Erde. Vieles deutet darauf hin, dass einige hundert Millionen Menschen in Schwellenländern wie China und Indien gerade genau in diese Richtung streben – und wer will es ihnen verdenken? Denn auch in Europa ist der Bewusstseinswandel noch ein zartes Pflänzchen und die Situation durch gegenläufige Trends gekennzeichnet. Auf der einen Seite konnten in den letzten 20 Jahren in vielen Bereichen deutliche Erfolge erzielt werden. So ist die Luftverschmutzung verringert und die Wasserqualität verbessert worden. Auf der anderen Seite ist der Energieverbrauch der Europäer weiterhin am steigen, was auch mit einem hohen Ausstoß an Treibhausgasen einhergeht, die maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind. Ein gutes Beispiel ist auch die Müllentwicklung. So wird zwar ein immer größerer Anteil recycelt, also wiederverwendet. Gleichzeitig steigt aber die Müllmenge insgesamt derart an, dass die Erfolge des Recyclings mehr als ausgeglichen werden – die Müllberge werden größer.
Im vergangenen Jahrzehnt hat das weltweite Wirtschaftswachstum, insbesondere in Schwellenländern wie China, die Nachfrage nach Rohstoffen noch deutlich gesteigert. Die westlichen Industrienationen verbrauchen pro Kopf nach wie vor weit mehr an natürlichen Rohstoffen als die weniger industrialisierten Weltregionen. So beträgt der Pro‐Kopf‐Verbrauch in Europa 43 kg natürliche Rohstoffe pro Tag, in den USA 90 kg, in Asien dagegen nur 14 kg und in Afrika nur rund 10 kg, wie das Sustainable Europe Research Institute (SERI) 2010 errechnet hat.
Nachhaltigkeit bedeutet dabei nicht nur Verzicht, sondern bietet auch viele Perspektiven – so schätzt z.B. die EU-Kommission, dass eine engagierte Klimapolitik bis zu 600 000 neue Arbeitsplätze bringen könnte. Deutschland und andere EU-Länder sind auch in anderen Bereichen der Umwelttechnik weit vorne – und die Nachfrage nach umweltschonender Technologie dürfte in der Zukunft deutlich zunehmen.
Wie könnte gegenüber eines immer weiter wachsenden Umweltverbrauchs, und letztlich eines „Weiter So”, ein attraktives Entwicklungsmodell aussehen, dass die natürlichen Lebensgrundlagen nicht überbeansprucht? Welcher Lebensstil ist ‚stylisch’ in diesem Sinne, erfüllt unsere Bedürfnisse und ist zugleich zukunftsfähig? Was müssen wir heute tun, damit auch künftige Generationen genug vorfinden, um frei über ihren Weg entscheiden zu können?
